Freitag, 20. April 2012

Red lipstick

Hallo meine Lieben
Sorry, war gestern zu müde, habe zwar noch geschrieben, den Blog aber noch nicht gepostet :) Also bin ich heute früh aufgestanden um das nachzuholen. 

19.04.12
Ich bin gerade total müde, habe einen langen Tag hinter mir. Wie immer war ich bereits kurz nach 6:00 Uhr hellwach, keine Ahnung warum das so ist. Ich stand auf, las ein bisschen, packte meine Sachen und ging frühstücken. Wie immer lehnte ich die meisten Dinge ab, die mir der Mann in der Küche anbieten wollte, keine Ahnung was die alles unter Frühstück verstehen. Da heute Donenrstag ist, hatten wir Couchtime with Niko. Meine Lehrerin (Niko) bittet dann jeden einzelnen zu ihr auf die Couch, die im Gang steht, um zu diskutieren wie man sich in der Klasse fühlt und wie die Englischkenntnisse besser werden oder eben nicht. Ich war als erste dran und bemerkte erst in diesem Moment, wie wohl ich mich hier bereits fühle. Meine Klasse ist einfach grossartig, so witzig und ich bin ein Teil davon als wäre ich das schon seit Monaten. Und auch Niko, meine lesbische Lehrerin (das habe ich heute erfahren, ich dachte mir so was aber schon weil sie wirklich sehr robust ist :)) auch sie ist super, sie unterrichtet auf eine tolle Weise. Sie freute sich natürlich darüber. Sie meinte aber, dass mein Englischniveau sehr hoch sei, dass man bei mir keinen Akzent hört und dass ich vielleicht ein Niveau höher steigen sollte. Ich bin im Niveau 7 Advanced eingestiegen, im Ganzen gibt es 10 Levels, wobei diese nochmals in (glaube ich) drei Stufen unterteilt sind.  Natürlich war es schön das zu hören, aber ehrlichgesagt wollte ich das nicht. Ich habe mich gerade erst eingelebt, klar vielleicht würde es mir wieder so ring fallen. Aber Cathy hat mir von ihrer Klasse und ihrem Lehrer erzählt, der absolut unfähig ist Unterricht zu halten und ihre Mitschüler verstehen keinen Spass. Ausserdem muss sie Hausaufgaben machen und der Unterricht sei total langweilig. Ich hatte auch nicht das Gefühl unterfordert zu sein, ich habe beispielsweise nicht so ein grosses Vokabular, meinte ich. „Doch hast du, das kann ich dir sagen,“ antwortete sie. Sie will einfach nicht, dass ich nicht gefordert bin fügte sie an. Ich habe in diesen paar Tagen schon sehr viel gelernt und das vor allem weil wir hauptsächlich diskutieren. Ich werde vorerst noch in dieser Klasse bleiben, schliesslich bin ich erst seit vier Tagen da und dann schau ich mal wie es weitergeht, das fand sie eine gute Idee. Unterfordert bin ich nämlich wirklich nicht, ich fühle mich sehr wohl. 

Den Nachmittag verbrachte ich mit Maurice aus meiner Klasse in Central Park. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, es war einfach herrlich. Gestern Abend als ich ins Training ging, tröpfelte es nämlich :) Vor dem Park mussten wir ein paar Touristenangebote abwimmeln. Beispielsweise standen da wunderschöne Kutschen mit Pferden, die uns hätten durch den Park führen können. Oder all die Bikes, die vermietet werden. Die Werber taten mir etwas leid, den kaum ein Tourist war zu sehen. Ich sehe übrigens sowieso sehr selten Touristen. Da es mitten am Nachmittag war, waren kaum andere Leute im Park. Es war wirklich sehr angenehm. Sportlehrer spielten mit den Kindern Fussball, eine Gruppe von Jugendlichen trainierte gerade Baseball und ein paar wenige Touristen mieteten kleine Boote, während andere ihre Hunde ausführten oder durch den Park joggten. Nachdem ich den Heimweg (ich hatte mich im Park etwas verirrt und meine Subwaykarte zu Hause vergessen) wieder gefunden hatte, konnte ich gerade noch meine Dinge packen und kam rechtzeitig zur Pilates Stunde. Auch diese Lehrerin bemerkte das neue Gesicht und wollte meinen Namen wissen. Während wir auf unseren Matten lagen, schritt sie wie im Militär zwischen uns hin und her und erteilte Befehle, von denen ich nicht mal die Hälfte verstand. Meistens harrten wir in der selben Bewegung mehrere Minuten und ich wusste nicht genau was diese bewirken sollte, oder was unsere Aufgabe war. Trotzdem spürte ich nach der Lektion, das ich was getan hatte, es war sehr anstrengend und ich war überrascht wie viele ältere Frauen diese Übungen meistern konnten. Beim Atmen mussten wir die Augen geschlossen halten, ich blinzelte immer wieder zu meiner linken Seite, um zu sehen ob ich noch die einzige war, die am Boden lag. :) Eine halbe Stunde später ging ich in die Ballettklasse. Der Männer- und Frauenanteil war etwa ausgeglichen. Auch hier schien sich die Lehrerin, die übrigens auch nach meinem Namen fragte, selbst nicht zu bewegen. Sie sass auf ihrem Stuhl vor der Anlage und gab Anweisungen. Sie ist nicht sehr freundlich, als erstes meinte sie nämlich: „Ich hatte einen langen Tag also nervt mich heute nicht.“ Während der nächsten anderthalb Stunden wiederholte sie dann ständig, dass sie die Lehrerin ist und wir auf sie achten müssen. Sie trug einen knallroten Lippenstift und während wir ihre Befehle ausführten fuhr sie diesen ständig nach und betrachtete sich dabei im grossen Spiegel. Dann wendete sie ihren Blick schlagartig ab, bemerkte einen Fehler und schrie hysterisch: „Hast du nicht gehört was ihr machen sollt, ich meine was ist das?“ Kaum hatte sie das gesagt spreizten sich ihre rotgefärbten Lippen zu einem fiesen Lächeln. Ich war sehr froh dass sie nie mit mir in diesem Ton gesprochen hat. Ich konnte diese Frau einfach nicht einschätzen. Aber gewisse Fehler haben sie wirklich sehr sehr aufgeregt. Seltsamerweise hatte ich keine Mühe zu folgen, ich war selbst überrascht dass mir die Bewegungen einigermassen leicht fielen. In dieser Tanzchule tanzen ausschliesslich New Yorker. Das macht das Ganze spannend, weil ich ihren Gesprächen gerne zuhöre. Sie kommen meist direkt von der Arbeit. Andererseits kann man keine „Ja-ich-bin-auch-neu-und-habe-keine-Ahnung“ Kontakte knüpfen. Es gibt absolut keine Neulinge oder Anfänger in irgendeiner Weise. Nach dem Training ging ich dann zurück zum Subway, die Station ist nur gerade zwei Minuten entfernt, in rund zehn Minuten bin zu Hause. Auf dem Heimweg ging ich noch rasch in den Broadway Farm Market (der Laden oberhalb meiner Strasse) und kaufte eine Lindt Schokolade. Ich wollte noch was kleines essen und war zu faul was neues auszuprobieren. Ausserdem waren die anderen heute völlig begeistert von dieser Schokolade als sie Gesprächsthema wurde und so hatte ich irgendwie das Gefühl, sie wieder mal probieren zu müssen. „Dinner?“ fragte mich der Mann an der Kasse. Eine Art :) Todmüde ging ich nach Hause und tauschte noch kurz die Erlebnisse aus mit Cathy, bevor ich dann duschen und ins Bett ging.

Küsschen Anja

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen