Heute war nicht gerade mein Tag. Wie auch in der Schweiz kann ich nicht viel mit Sonntagen anfangen, es ist dann so ruhig und irgendwie trostlos. Während es die letzten sieben Tage sehr warm und sonnig war, wollte es heute gar nicht erst aufhören zu regnen. Mein Vorhaben nach Harlem in die Kirche zu gehen fiel ins Wasser. Cathy und ich rannten mit unseren Taschen auf dem Kopf (damit wir nicht zu nass werden) Richtung Subway. Dort mussten wir 10 Minuten warten, ungewöhnlich, der Subway fährt sonst ca. alle drei Minuten. Als er dann endlich kam, fuhren wir Richtung Columbus Circle und von da aus Richtung Harlem. Harlem zeigte sich mir heute in einem sehr angenehmen Bild, bis auf den Regen, der dem Ganzen einen hässlichen Touch verlieh. Die mehrheitlich dunkle Bevölkerung war in Sonntagskleidung auf der Strasse, bis auf die Jüngeren, die es bevorzugten sich gar nicht erst aus ihren Trainerhosen zu locken. Als wir bei der richtigen Strasse abbiegen wollten, sahen wir die Warteschlange. Oh nein, scheinbar hatten noch andere die Idee heute zur Kirche zu gehen um die Harlem Gospel Singers zu hören. Na toll, wir stellten uns zu hinterst in die Schlange, was ein Block weiter hinten war und liessen den Regen auf uns tröpfeln. Die Leute um uns herum quatschten mehrheitlich in französischer Sprache, was mir einfach nicht passte. Ich mochte es nicht, eine Kirche zu besuchen, die sich als Touristenattraktion entpuppte. Selbst Cathy störte es, dass sie mitten in Harlem nur Französisch hörte. Als wir uns gerade entschieden hatten, etwas die Strasse hinab zu laufen und auf den Besuch zu verzichten, meinte ein Mann, dass es sowieso keinen Platz mehr hätte in die Kirche. Enttäuscht drehten sich die Leute um und verschwanden alle Richtung Subway. Irgendwie finde ich das nicht so toll für die Bewohner von Harlem, wenn ihre Messe von begeisterten Touristen überfüllt sind. Naja, so gern ich mich jeweils auch von dieser Menschengruppe ausgrenzen würde, ich hatte dasselbe vor. Wir schlenderten noch rasch durch die Strassen. Obwohl es regnete, mochte ich dieses Mal die Gegend. Als die Messe begonnen hatte, waren keine Touristen mehr auf der Strasse zu sehen. Wir gingen an einigen African-Shops vorbei, der eine war sogar ein Ghana-store, aus dem laute Reggaemusik dröhnte. Trotz Regen sassen die Verkäufer auf ihren Stühlen draussen, grüssten uns und lächelten uns zu. Da gab es einen Haarsalon mit einer leuchtenden Überschrift, in dem gerade eine Reihe von Frauen ihre Haare machen liessen und dabei Zeitschriften lasen, viele Kirchen, viele kleine Läden und fast ausschliesslich dunkelhäutige Menschen. Ganz Harlem wollten wir aber nicht sehen in diesem Wetter und so verschwanden auch wir recht schnell im Untergrund, um den Subway nach Hause zu nehmen. Das gelang uns Dummerchen leider nicht auf Anhieb, wir stiegen aus Versehen in den Subway Richtung Bronx und das auf einer Expresslinie. Einige Zeit später bemerkte ich, dass ausser uns kaum mehr Leute im Subway sassen und wir mit Expressgeschwindigkeit in die falsche Richtung gefahren waren. Haha, das passt zum heutigen Tag, dachten wir und wechselten bei der nächsten Möglichkeit die Richtung. Nach rund 45 Minuten sind wir dann zu Hause angekommen. Ich beschloss noch einige Tanzlektionen zu nehmen und machte mich nach dem Essen auf zur Schule. Diese war leider sehr voll und für die Lektionen die ich mir ausgesucht hatte, hätte ich noch mehr bezahlen müssen. Das wollte ich nicht und setzte mich einfach auf die Bank, etwas enttäuscht, weil es heute keine passenden Lektionen mehr für mich gab. „Du weisst, dass du zwei Monate Zeit hast, deine Lektionen zu beziehen?“ fragte mich der Mann an der Rezeption. „Aha, das spielt keine Rolle wenn ich diese besuche?“ fragte ich zurück und war soo froh als er sagte, nein, du kannst kommen wenn du Lust und Zeit hast und deine Lektionen beziehen die dir zur Verfügung stehen. Okay, gut, dann starte ich ab morgen neu mit dem Tanzen und zwinge mich nicht heute in eine Profiklasse dachte ich, packte den neuen Stundenplan ein und ging wieder raus in den Regen. Keine Ahnung was heute mit mir los war, aber ich stieg wieder in einen Expresssubway. Als Strafe musste ich dann zehn Blocks laufen. Ich schlenderte am Broadway entlang (ich wohne gleich am Broadway) und genoss es auf eine andere Art. Ich war froh heute nicht unbedingt trainieren zu müssen, es war einfach nicht mein Tag. Pflotschnass kam ich dann zu Hause an, trocknete mich ab, warf mich in den Trainer und setzte mich aufs Bett um etwas zu lesen und zu schreiben. Ich blickte aus dem Fenster und lauschte den Regentropfen, die auf den Dächern New Yorks zersprangen.
Nach einer Weile ging ich nach unten um mit Cathy essen zu gehen. Es war bereits dunkel und wir hatten nur einen geliehenen Regenschirm zu zweit. Wir hüpften zwischen den Pfützen hin und her, rannten über die Strassen, lachten über unser ungeschicktes Verhalten heute und hielten Ausschau nach was essbarem. Wir setzten uns in einen typisch amerikanischen Laden und öffneten die Karte. Wie immer bestellten wir eine Cola zu zweit, da wir jeweils Wasser in der Tasche haben und dadurch Geld sparen können. Irgendwie hatten wir keine Lust etwas kompliziertes zu essen und dafür viel zu bezahlen und so reizte uns der McDonald gegenüber. „Ehm, wir essen doch nichts, entschuldige“ sagte ich zum Kellner, der breit lächelte und meinte: „Okay, die Cola schenk ich euch.“ Nett nicht? Draussen hatten sich während dessen kleine Flüsse gebildet und es war kaum möglich trockenen Fusses irgendwo hinzugelangen. Ein Taxi fuhr vorbei und bespritzte uns von Kopf bis Fuss. „Thank you soooo much!“ schrie Cathy :D Wir waren pflotschnass und es regnete in Strömen. Das also war New York im Regen, die Strassen und die gelben Taxis schimmerten im Abendlicht. Während diese freudig durch die Pfützen fuhren um den Fussgänger, die ohnehin schon durchnässt waren, eine Dusche zu verleihen, retteten sich die Leute unter jedem möglichen Unterstand. Wir assen kurz was und sassen danach in den Sturbucks, der fast leer war. Wir tranken einen Kaffee und quatschten ungefähr eine Stunde über dies und das, während es draussen weiter regnete. Es war gemütlich, angenehme Musik lief und wir waren fast die einzigen. Auf dem Weg zurück zur Residence gingen wir noch rasch in den Buchladen. Ich liebe diesen Laden, er hat ungefähr 24 Stunden am Tag geöffnet und das sieben Tage die Woche und er sieht aus wie eine alte Bibliothek. Dann kauften wir uns zwei Regenschirme, schliesslich würden wir diese in den nächsten paar Tagen gebrauchen...
Zu Hause ging ich duschen und bin jetzt so müde von dem ganzen Wasser, dass ich schlafen gehe :) Ich hab euch ganz fest lieb
Kisses Anja
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