Heute hatte ich einen laaangen Tag und dementsprechend viele Fotos für euch :). Ich konnte das erste Mal bis knapp vor acht schlafen. Nach dem Frühstücken machten sich Cathy und ich gleich auf den Weg. Widererwarten schien nämlich die Sonne und es war herrlich warm. Wir wollten uns heute mal wie Touristen verhalten und einen Teil der Stadt ansehen. Dafür fuhren wir zum Times Square. Dort gingen wir auf den jungen Mann zu, der in einer roten Jacke und mit roter Mütze einen Zettel in der Hand hin und her wedelte. Er freute sich und gab mir nicht wirklich Antworten auf meine Fragen, er grinste mich nur an. Ich erklärte ihm, dass wir gerne mit einem Bus etwas umher fahren würde. Diese Sightseeing Busse sind oben geöffnet und so kann man herrlich das Treiben beobachten, was im Subway unmöglich ist. Er gab uns ein Ticket, gleich für drei Tage und relativ günstig. In diesem Moment klingelte mein Handy und ich fragte Cathy ob sie wisse wie man es ausschaltet, also lautlos einstellt. Er nahm es mir aus der Hand. „I‘ll do it for you,“ meinte er. Er heisst Muhammad, ist 20 Jahre alt, klein, dunkelhäutiger und in New York aufgewachsen. Er würde uns die Stadt sonst gerne zeigen meinte er, und ich antwortete. „Ja danke, können wir hier den Bus nehmen?“ Dank seiner Freude konnten wir uns das Anstehen ersparen und durften gleich zu forderst in die Warteschlange. Als wir dann im Bus sassen bekam ich plötzlich eine Nachricht. Wie dumm von mir, ich hatte nicht bemerkt, dass er sich eine Nachricht von meinem Natel aus geschickt hatte :S Na toll.
Während die Stimme der Reiseführerin durch die Lautsprecher dröhnte und die Touristen wild mit ihren Fotoapparaten umherfummelten, genoss ich die Wärme, die Sonne, die Freiheit. Beim Ground Zero stiegen wir dann aus und weil wir so hungrig waren, gingen wir gleich was essen. Ich kann euch nicht erklären, was einem durch den Kopf geht, ich konnte es mir einfach nicht vorstellen. Es war da einfach ein Loch, wo einst zwei riesige Gebäude standen. Ich schämte mich fast, nicht sehr betroffen zu sein, aber für mich ist das Ganze einfach sehr unreal. Damit wir wieder etwas mehr von diesem traurigen Punkt der Geschichte New Yorks erfahren, wollten Cathy und ich das Memorial besuchen. Wir konnten uns relativ schnell zwei gratis Tickets ergattern, die aber erst eine Stunde später gültig gewesen wären. Wir gingen dann kurz in einem Raum in dem man Stimmen hören konnte, die von diesem Tag erzählten, das Ganze war mit trauriger Musik unterlegt. Ausserdem sah man einige eindrückliche Bilder. Schlagartig riss es mich zurück und ich konnte mir das Ganze wieder vorstellen, nicht das Zusammenfallen der Türme, aber das Leid, die Trauer, die Angst, die Hoffnung, die Wut, die Verzweiflung. All das gab einem dieser Raum zu spüren. Es schauderte mich förmlich und es tat mir einfach soo leid, für all die Menschen, die das auf irgend eine Weise miterleben mussten. Da sah ich ein Portemonnaie eines Polizisten, der zur Hilfe eilte und dabei selbst ums Leben kam. Und eine Freiheitsstatue voller Fotos und Abzeichen derjenigen Retter, die ihr Leben für andere gaben. Es war einfach schrecklich und lange blieb ich nicht in diesem Raum. Als ich ihn verliess betrachtete ich die Baustelle, das Loch. Unglaublich. Unvorstellbar. Momentan werden zwei grosse Brunnen gebaut, in die dann die Namen der Verstorbenen geritzt werden. Ich fühlte mich einfach irgendwie schlecht. Wir entschieden uns keine weitere Stunde mehr dazubleiben und das Memorial ein anderes Mal zu besuchen, vielleicht wenn wir uns etwas besser darauf vorbereiten können um dem Ganzen auch den richtigen Respekt zu verschaffen. 9/11 hat New York sehr verändert, seither denkt die ganze Stadt als ein Ganzes, sie halten zusammen.
New World Trade Center

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