Freitag, 4. Mai 2012

Kamera - finally


Am nächsten morgen ging es mir etwas besser, ich war einfach noch ziemlich erschöpft. Ich ging zur Schule und Niko war wieder meine Lehrerin, was sehr angenehm war. Ihrer Mutter geht es etwas besser. Sie erzählte uns von ihrem kurzen Erlebnis, zurück an dem Ort, an dem sie aufgewachsen ist: In einem Vorort in Detroit. Erinnert ihr euch an den Eminem-Film, 8 mile? Die Situation in Detroit sei genau wie im Film, einfach einiges schlimmer. Rassismus sei dort Alltag und schlechte Bildung und Armut genauso. Sie erzählte wie sie in einem Pub kurz ein Bier trank, als eine Frau, der ungefähr drei Zähne fehlten meinte: "Lass keine schwarzen Krankenschwestern in dein Haus, die stehlen gerne!" "What the ...." dachte Niko und sah sich um, wo zum Teufel bin ich?! Im Mittelalter? Es gäbe auch in diesem Pub ab und zu "blacks" aber sie versuchen sie draussen zu halten. Fügte die Frau hinzu, bevor Niko ihr Bier stehen liess und das Pub verliess. Sie sei froh wieder zurück in New York zu sein. Es ist extrem spannend für mich von verschiedenen Gegenden zu hören und zu lernen. Beispielsweise lerne ich extrem viel von Asien, da ich fast ausschliesslich asiatische Kollegen habe. Ich lerne gerade mit Stäbchen, Chopsticks zu essen. Während ich anfangs jeweils mein gesamtes Essen im Raum herum spickte, treffe ich jetzt sogar ab und zu meinen Mund :D Oder all die Unterschiede von Japanern, Koreanern und Chinesen. Oder wie sehr Südkoreaner Nordkorea verachten, oder wie sehr sich auch alle Asiaten vor China und dessen Macht fürchten. Ich lerne viel von ihrer Kultur und es interessiert mich sehr, denn tatsächlich treffe ich das erste Mal in meinem Leben auf Asiaten, die nicht wie wild mit der Kamera in Luzern umherfuchteln, um Bilder von Dingen zu knipsen die sie gar nicht erst angesehen haben.

An diesem Nachmittag hatte ich dann vor meine Kamera kaufen zu gehen. Ich fuhr also zur Penn Station und ging einige Blocks Richtung 9th Avenue. Der B&H - STore ist ein absolutes Paradies für Fotografen, und ein absolutes Labyrinth für Menschen wie mich. Glücklicherweise war der Laden dieses Mal offen. Da dort nur jüdische Angestellte arbeiten, haben sie freitags jeweils geschlossen. Ich betrat den Laden und war ziemlich überwältigt. Ober mir zirkulierten tausende von Fliessbändern, die irgendwelche Fotoartikel umhertransportierten, ich drehte mich im Kreis, sah all diese jüdischen Verkäufer mit ihren Löckchen auf der Seite und ihren Kippas, schwarz-weiss gekleidet. So blöd es klingt, sie sahen aus wie Elfen in einer Fabrik des Weihnachtsmannes. Ich tat einige Schritte in eine Richtung und lief dabei an ungefähr fünf Info-Ständen vorbei. "Ehm, ich würde gerne eine Kamera kaufen, kann mich jemand beraten?" fragte ich den Mann als ich an einem Stand stehen blieb. "Ja, gehen sie in den zweiten Stock." Also machte ich das, wo ich dann die selbe Frage nochmals stellte. "Gehen sie diese Rampe hoch. Dort nochmals "gehen sie zum rechten Abteil". Im rechten Abteil stand ich dann in die Warteschlange, es standen nur etwa zwei Personen an. Als ich zu forderst stand, schrie plötzlich eine Stimme ober meinem Kopf aus einem Lautsprecher: "Schreiten sie zum Schalter 53 vor." Während mich ein roter Pfeil am Boden dort hinführte (es gab 60 Schalter) und die Nummer 53 noch immer hysterisch blinkte, erwartete mich der Verkäufer bereits. "Ehm, ich würde gerne eine Kamera kaufen," gab ich irgendwie überfordert von mir. Wie dumm bin ich eigentlich, eine Kamera, wo ich gerade inmitten von tausenden von Kameras stand. Ich erklärte ihm, wie sie ungefähr sein sollte und er stellte mir einige Modelle vor. "Eigentlich habe ich mir etwas kleineres und günstigeres vorgestellt." Er schickte mich mit einem freundlichen Lächeln zum linken Abteil, wo ich dann nochmals in die Reihe stand und gleich zum Schalter vorschreiten konnte. Dieser Verkäufer (sah genau gleich aus, wie der andere) konnte mir dann eine Kamera vorstellen, die mir passte und die ich dann kaufen wollte. Er gab etwas in seinem Computer ein und einige Sekunden später nahm er einen grossen Karton von Laufband unter dem Tresen, warf einen Zettel hinein und stellte die Schachtel wieder auf's Laufband, wo sie dann im Eiltempo davon raste. Danach verabschiedete er sich dankend. "Ehm, kann ich die Kamera jetzt kaufen?" fragte ich verwirrt, nachdem ich all meine Angaben gemacht hatte, für eine internationale Garantie. Er schmunzelte und fragte: "Sind sie das erste Mal hier?" "Ja, wie funktioniert das hier?" Er drückte mir einen Zettel in die Hand und schickte mich nach unten. Als ich dort an der Reihe war, bezahlte ich die Ware, die ich noch nicht einmal in den Händen gehalten hatte. Auch sie verabschiedete sich dankend. Der Securityman erkannte wie verwirrt ich war und meinte freundlich: "Du kannst deine Ware da abholen." Okay, ein weiteres Abteil, ich schritt weiter, wo ein weiterer Kippaträger meine Ware bereits fertig abgepackt bereithielt. Er schaffte es aber tatsächlich mich noch mehr zu verwirren, als er begann mit mir zu flirten. "Whaat?!" fragte ich erschrocken, weil ich das wirklich nicht erwartet hatte. Ich nahm meinen Sack mit der Kamera und und floh nach draussen. Ach du meine Güte, ich wollte doch nur eine Kamera kaufen :D Auf jeden Fall habe ich unglaublich Freude an dieser Kamera und ich konnte sie schon einige Male benutzen :) Zu Hause vergass ich dann meine Subwaykarte und verpasste die Zumbalektion..naja, blöd gelaufen aber auch egal :)

Was ich gestern gemacht habe, erzähl ich euch später, ich gehe jetzt was essen und mit Cathy zum Coiffeur, also ich begleite sie nur :)

Küsschen aus New York und Happy Birthday Cousinli Joana, hab dich lieb und wünsch der alles Gueti!! <3  

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