Montag, 7. Mai 2012

Staten Island


Hallo ihr Lieben
Obwohl ich euch gestern fleissig geschrieben habe, kriegt ihr es erst heute zu sehen. Wir hatten in der Residenz keine Internetverbindung, was eigentlich kein Problem ist, aber alle etwas aus dem Konzept gebracht hatte. „Isn‘t it a problem for you?“ fragte mich eine der Französinnen während dem Essen. Nein, ein Problem war das wirklich nicht. Erstens hätte ich höchstens gebloggt und zweitens bin ich mich schlechte Internetverbindung bestens gewohnt :) 
Ich ging gestern rasch frühstücken, wobei es eigentlich nur einen Kaffee und ein Stück Plastikbrot mit reichlich viel Nuttela, die Cathy gekauft hatte, (das man das Brot nicht mehr schmeckt) war. Den Kaffee liebe ich und das ist aber auch so ziemlich das einzige. Er schmeckt exakt wie Grossmami‘s kafigompoff-Kaffee :D Ja, ich wagte mich in grösster Not an diesen Kaffee und seither ist es immer wieder mein Aufstellet, wenn ich das Essen nicht runter bringe. Danach ging ich ins Zimmer, knipste kurz ein Foto (damit ihr mal seht wie es etwa bei mir aussieht) stopfte meine Kleider inklusive Jacke, Schlafsack und Schal in einen Sack und ging in die Waschküche. Ich verbrachte die Zeit damit euch von den letzten Tagen zu berichten,  während sich die Waschmaschine drehte. Danach ging ich Mittagessen. Also das heisst, wie bereits gestern beim Nachtessen war das Dessert das einzige das ich runterbrachte. Ich kann das Zeugs wirklich nicht mehr essen. Es sieht immer wieder anders aus, aber schmecken tut es jeweils gleich. Das Fleisch besteht aus den Resten, die wir bei uns eher den Schweinen überlassen und die Sauce ähnelt einem dickflüssigen Brei. Ich sass vor meinem Teller und betrachtete die dunkelgrünen schlampigen Spargeln. „Du sollst den Steamer benutzen und das Gemüse nicht im Wasser kochen, sonst gehen alle Nährwerte verloren!“ hatte mir Meli eingetrichtert als ich das eine Mal in der Küche stand. Dieses Gemüse das ich gerade vor mir hatte...keine Ahnung wie das gekocht wurde, meins war aber im Gegensatz dazu sicher noch reichlich mit Nährwerten versehen gewesen. „Hast du Heimweh?“ fragte mich Madleine, die Französin während sie mit den andern wie wild in ihrer Sprache quatschte und mit Genuss das Essen verschlang. „Eh, nein, manchmal, ich bin wirklich sehr verwöhnt zu Hause, ich hatte das Essen nie wirklich geschätzt, das ist dort alle so gut, egal wo man isst.“

Cathy ass auch kaum was und so machten wir uns für den Nachmittag bereit, nachdem ich meine Kleider zusammengelegt und in den Koffer gelegt hatte. Wir nahmen den Subway Richtung South Ferry und freuten uns wie wild darüber. Das letzte Mal als wir an die Südspitze Manhattans fuhren, verbachten wir einen grossartigen Tag. Als wir unten ankamen war es bereits richtig warm und afrikanische Musik dröhnte aus einem der Lautsprecher. Ich fühlte mich extrem wohl, setzte meine Sonnenbrille auf und war bereit mich ins touristische Gestürme zu stürzen. Wir würden heute nämlich die gratis Fähre nach Staten Island nehmen, eine der fünf Stadtbezirke New Yorks. (Nebenbei, die andern sind Bronx, Brooklyn, Manhattan, Queens). Wir mussten nicht lange anstehen und  konnten uns einen guten Platz auf der Fähre ergattern. Diese fuhr ziemlich schräg, da all die Passagiere nur auf der einen Seite standen, dort wo man die Freiheitsstatue sehen kann. Tatsächlich fühlte ich mich während diesen zwanzig Minuten Fahrt unglaublich frei. Der Himmel war blau und die Sonne schimmerte im Wasser während mir der Wind ins Gesicht blies. Erstmals erkannte ich die wunderschöne Skyline New Yorks und konnte mir vorstellen wie gewaltig die Twin Towers damals gewesen waren, sie überragten all die bestehenden Gebäude bei weitem. Wir fuhren an der Freiheitsstatue vorbei. Das ist sie also, dacht ich. Irgendwie ziemlich klein:) Aber trotzdem mächtig in ihrer Figur. Als wir auf Staten Island ankamen bliess der Wind einiges heftiger. Nach kurzem sind all die Touristen zielstrebig verschwunden und so waren wir bald alleine in der Gegend. Wir spazierten etwas an der Küste entlang und genossen die Gegend ohne Leute, ohne das Rauschen der Autos oder das Holpern und Quitschen des Subways. Ausserdem duftete es nach Ferien, nach Meer, Sonne und Wind. Der Wind bliess dann aber so fest und kalt, dass wir uns entschieden wieder zurück zu fahren, schliesslich wurde es auch schon bald Abend. Auf Staten Island gäbe es einige Museen, aber sonst wird dieser Stadtbezirk auch „Vergessener Stadtbezirk“ genannt, weil dort drüben nicht viel los ist. New York ist eigentlich recht klein, und extrem auf einen Fleck konzentriert, dachte ich bei der Rückfahrt, man kann ganz schnell aus diesem Stadttschungel fliehen wenn man will.
Nachdem wir für Cathy nochmals beim Times Square halt gemacht hatten, da sie noch ein solches Bild kaufen wollte :D, gingen wir zurück zur Upper West Side (unserer Nachbarschaft). Mir war klar, dass ich heute etwas richtiges essen wollte oder auch sollte. Mit den ewigen Hamburgern, Pizzas und Keksen sollte nun Schluss sein, ich konnte es nicht mehr riechen oder sehen, geschweige denn essen. Wir entdeckten ein teures Restaurant, das aber nur Hamburger im Angebot hatte und noch eins und noch eins. Na suuuper, kennen die den keine Pasta oder so was? Simple Spaghetti? Das kann ja sogar ich. Und ja genau so weit würde es in den nächsten Tagen wahrscheinlich auch kommen. Während ich heute morgen auf meine Wäsche gewartet hatte, entdeckte ich im achten Stock eine Küche. Jep, ich überlege mir tatsächlich ob ich mal selber kochen sollte, und ja ich weiss ich bin nicht gerade gut darin aber glaubt mir, in New York würde ich zu den besseren gehören :) Wir setzten uns dann in ein Restaurant und entdeckten in der Karte was wir erwartet hatten: Hamburger Deluxe, Hamburger blablabla, Hamburger bliblibli. Also wieder Hamburger, essen musste ich nämlich. Ich bestellte dazu aber einen Salat mit italienischer Sauce. Wirklich genossen hatte ich es nicht, aber ich war froh, dass dieses Thema mal wieder erledigt war für einen Tag. Morgen würde ich wieder auf meine asiatischen Kollegen stossen :) und vor allem auf Takuya, dessen Hobby es ist, gute Restaurants zu finden. So sehr ich mich anfangs weigerte mit ihm darüber zu sprechen, ich sollte es vielleicht doch mal machen, ich kann mir seine glänzenden Augen jetzt schon vorstellen. „Geh‘n wir?“ meinte Cathy die genau so erschöpft war wie ich und wir machten uns auf den Heimweg. Zu Hause funktionierte das Internet nicht mehr. Im Notfall findet man in New York im Umkreis von 500 Metern aber immer ein Wi-fi. Dies war wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass sich keiner in der Residenz befand. Die Gänge als auch der Livingroom waren menschenleer. Ich schloss meine Zimmertür auf und warf die leere Packung Kekse in den Eimer. Ab morgen ist Schluss damit Anja, du wirst dich um deine Ernährung kümmern, zumindest bist du wieder in der Schweiz bist :) Nachdem ich mich gewaschen hatte hüpfte ich auf mein Bett und guckte noch etwas HIMYM.  
Ich hab euch ganz fest lieb geniesst den heutigen Tag!
Küsselchen


Mein Zimmer, zu meiner linken ist ausserdem noch ein grosser Schrank und zu meiner rechten befindet sich mein Koffer mit all den Kleidern.

Hier aussteigen, wer mich besuchen will 

































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