Sonntag, 27. Mai 2012

As far as you can go


Vor einigen Wochen studierte ich mal wieder die Karte New Yorks und entdeckte an der Ostspitze von Long Island einen Punkt der mich auf seltsame Weise reizte. Ich wusste dass es mir dort gefallen würde also besorgte ich mir einige Informationen zu diesem Ort. Tatsächlich stellte es sich heraus, dass es sich genau um diese Traumstrände handelt, die in all den romantischen Filmen immer vorkommen. Später erfuhr ich dass viele dieser Filme sogar dort gedreht wurden und damit war ich fest entschlossen: Ich will dort hin. Ich fragte die andern und erstaunlicherweise willigten sie alle ein, mitzukommen. Da aber alle andere Pläne hatten und nie alle frei waren, sah es dann so aus, als ob ich die Reise alleine in den Angriff nehmen müsste. Schade, dachte ich und trotzdem, ich wollte einfach dort hin. Also sagte ich ihnen Anfangs Woche, dass ich am nächsten Samstag hinfahren würde und am Freitagabend waren wir dann plötzlich zu fünft und planten den Ausflug, drei weitere würden noch dazu stossen. Keiner wusste genau, wieso wir unbedingt ans Ende der Insel fahren müssen, weiter vorne gäbe es schliesslich auch schöne Strände, aber ich wollte dorthin. Da es das Memorial Weekend war, und alle am Montag auch noch frei hatten, waren sie ausserdem etwas besorgt, dass es zu viele Leute haben würde. "Ich glaube nicht, dieser Ort existiert in keinem Touristenführer und ist nicht so bekannt," meinte ich immer wieder. Gestern morgen trafen wir uns dann also um sechs Uhr, wir hatten nur diesen einen Tag. Larissa, Sarah, Yvette und ich (sie wohnen alle am selben Ort wie ich). Signe, meine dänische Klassenkameradin trafen wir an der Penn Station. Dort besorgten wir uns Tickets, während uns die Frau hinter dem Schalter immer wieder dazu überreden wollte einfach zum Long Beach zu fahren und nicht den ganzen Weg bis nach Montauk auf uns zu nehmen. Aber nein, wir wollte bis an die Spitze. Die Zugfahrt würde rund drei Stunden dauern, aber es war ein bequemer Zug, wir hatten was zu Frühstücken und die Fahrt durch die Insel war spannend. Eine Horde New Yorker drängte sich in denselben Zug um die heissen Tage in ihren Strandhäusern in den Hamptons (im reichen Viertel) zu verbringen. Wir fuhren aber weiter, an Queens und Brooklyn, und an den Hamptons vorbei. Die Leute hatten alle den Zug verlassen, als wir am Ende der Eisenbahnstrecke drei Stunden später ausstiegen. Montauk. Ein wunderschöner kleiner Ort am Ende der Insel. Signe und ich fanden heraus wo Süden ist und wussten dass wir in diese Richtung, am See vorbei gehen sollten, um zur Velovermietung zu kommen. Wir sahen all diese niedlichen kleinen Häuschen, mit den liebevollen grossen Gärten und den grossen Veranden mit Schaukelstühlen. Es war unglaublich schön, ich war so glücklich, vom ersten Moment an. So glücklich, dass wir hier rausgefahren waren. Ich meine so weit war es auch nicht, meine Freunde versuchen mich die ganze Zeit zu überreden mit nach Atlantic City, Las Vegas und zu den Niagara Fällen zu fahren, was für mich rein finanziell schon nicht möglich ist und die Reise dorthin dauert einiges länger.

Route von Manhattan nach Montauk
























Wir fanden das Dorf und den Veloshop auf Anhieb und so mieteten wir fünf Fahrräder. Meine anderen drei Schulkolleginnen wollten nicht so früh aufstehen und würden nachkommen, für mich war aber klar, dass wir sie dann nicht treffen würden. Als wir unsere Fahrräder hatten, fuhren wir los, denn noch waren wir nicht an der Spitze, noch hatten wir den den wunderschönen Leuchtturm, der das Ende der Insel markiert, noch nicht erreicht. Zuerst mussten wir hügelige 10 Kilometer zurücklegen. Wir kamen Dank der Sonne ganz schön ins Schwitzen, die mittlerweile den Nebel vertrieben hatte. Immer wieder warnten die Strassenschilder von Rehen und Hirschen die aus den grünen Wäldern und Büschen zu unserer rechten und linken Seite springen würden. Plötzlich sahen wir dann auch ein riesiges Reh tot am Strassenrand liegend. Plötzlich stiessen wir auf eine Pferdefarm, auf die älteste in der USA. Es war unglaublich schön, mit all den stolzen Häusern im Hintergrund. Wir fuhren weiter und weiter, alleine auf der schönen Strasse mit den regenwaldähnlichen Strassenrändern. Nach einer Weile erkannten Signe und ich, die wir gerade den letzen Hügel bewältigt hatten, die Spitze des Leuchtturms. Stolz und wunderschön erstreckte er sich in seinen 33 Metern Höhe in die Luft, während unter ihm das Meer an die Küste schlug. Wir waren da, da wo ich mich schon lange vorgestellt hatte. Im Eiltempo radelten wir runter und sahen den grünen Hügel mit dem rot-weissen Leuchtturm. Und wisst ihr was? Keine Touristen! Signe und ich wollten nach oben, um die Küste zu sehen und gingen an den Schalter. Ein älterer Mann freute sich über unseren Besuch. "Nein, die Leute kommen nicht so weit, wir haben fast keine Touristen und die Einheimischen, die es sich leisten können, gehen bis zu den Hamptons, nicht weiter." Er führte uns etwas herum, und erklärte uns dass der Leuchtturm noch immer gebraucht werde, und einige sonstige spannende Dinge. Wie zum Beispiel von den vielen Schildkröten, Blauwalen und den riesigen Haien die es hier immer wieder zu sehen gäbe. Obwohl ich das von den Haien gar nicht wissen wollte." Was macht ihr hier? Wieso seit ihr so weit gekommen?" fragte er uns. "Wir wollten für einen Tag dem Stadttschungel entfliehen," erklärte ich ihm. "That's as far as you can go," meinte er, als er nachdenklich in den Atlantik hinausblickte. Signe und ich bestiegen also den Turm und genossen die Aussicht, über den Atlantik, über die Küste, das Grüne, das wir hinter uns gelassen hatten. Danach gesellten wir uns zu den andern, die es sich im Strandhaus gemütlich gemacht hatten und bereit waren, was zu essen. Wir waren alle hungrig und die Sonne brannte dermassen fest mittlerweile, dass es prima war, eine Pause einzulegen. Wir plauderten und lachten und waren alle extrem glücklich, diesen Ort gefunden und erfahren zu haben. Später setzten wir uns dann wieder auf unsere Bikes und der Weg zurück war noch einiges happiger. Die zehn Kilometer waren ziemlich happig, da wir auch noch mit dem Gegenwind zu kämpfen hatten. Wir hatten aber dann trotzdem noch nicht genug und fuhren ganz in den Norden, nochmals sieben Kilometer, aber eine sehr gemütliche und gerade Strecke. Diese Häuser dort sind wirklich, wirklich unglaublich! Wie im Film, so schön. Wenn wir mit fünfzig alleinstehend sein würden, würden wir zurückkommen, versprachen wir uns. Wir genossen dort oben den Wind, der sich Dank dem mittlerweile bewölkten und gewittedrohenden Himmel verstärkt hatte. Diese Strände sind wie im Film..Kennt ihr das Lächeln der Sterne? So könnt ihr es euch vorstellen. Wir streckten unsere Zehen ins kalte Wasser, rannten und tobten uns an dem menschenleeren Strand herum. Auf dem Rückweg ins Dorf tranken wir einen Kaffee am Ufer und radelten dann zurück. Es war einfach nur schön und es war es definitiv wert. Zurück im Dorf schlenderten wir noch etwas umher, bevor wir uns was zu Essen für den Heimweg besorgten. Die reichen Hausbesitzer hatten sich mittlerweile ans Tageslicht getraut, nachdem sie wahrscheinlich den Tag damit verbracht hatten, sich von dem gestrigen Abend zu erholen. In ihren schönen, rausgeputzten aber trotzdem légère aussehenden Sommerkleider sassen sie in ihren Cabriolets und offenen Pick ups, um das Nachtleben am Strand zu geniessen. Sie sassen auf den weissen Betten am Strand, über ihnen erhellten die Lichterketten die Nacht und neben ihnen brannte ein Feuer. Sie waren alle reich und ich glaubte mich in o.c california oder irgendeiner amerikanischen Tv-show wieder zu sehen. Wir liefen zurück zum Bahnhof, wo wir meine anderen drei Kolleginnen trafen, die den Tag kaum geniessen konnten, da sie zu spät am Bahnhof waren und es dann auch noch verpassten, umzusteigen. Die Heimfahrt war lange aber lustig, keine Leute wollten sich an dem Abend schon wieder auf den Heimweg machen, und so waren wir fast die einzigen. Zu Hause fiel ich überglücklich ins Bett. Das wollte ich schon immer mal sehen, und nun habe ich es und ich werde es wieder sehen.

Hab euch liieb!



V.l.n.r: Signe, Yvette, Larissa, Sarah



Sarah, Larissa, Signe, Yvette












































































Bye Bye

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