Meine Zeit in New York neigt sich schon bald dem Ende zu und so verbringe ich jede freie Minute draussen mit Freunden oder im Tanzstudio. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich viel zu viel verpassen könnte. Der Gedanke daran, dass es dann auch so sein wird, macht mir richtig Angst. Am Donnerstagmorgen machte ich einen Strich durch meine perfekte Anwesenheitszeit in der Schule und ging für einmal nicht hin um noch so viel wie möglich tanzen zu können. Ich fühle mich in der Schule in letzter Zeit öfters etwas gelangweilt und glaube, dass ich, würde ich länger bleiben, ins business English oder so wechseln würde. Ausserdem kann ich kaum mehr ruhig sitzen und einem Lehrer zuhören, obwohl ich darin 12 Jahre Übung habe. Anyway. Am Donnerstagmorgen frühstückte ich also früh wie immer und ging Tanzen, den gaaanzen Tag. Das Training war so hart, dass ich abends Mühe hatte in einem einigermassen normalen Gang nach Hause zu watscheln. Manche Lehrer sind wirklich sehr sehr streng. So beispielsweise Ettlin, eine 64 jährige Frau die ihr Leben lang Ballerina war. Ich wagte mich in ihren Unterricht und ging zur Frau, die an der Stereoanlage herumschraubte um ihr zu erklären, dass ich das erste Mal in dieser Klasse sei und einfach versuchen werde, zu folgen. Diese blickte mich eingeschüchtert und verwierrt an und zeigte auf die ältere Frau die soeben den Raum mit grimmigem Blick betreten hatte. Später bemerkte ich, dass die sitzende Frau nur ihre Assistentin war. Also wiederholte ich meine Sätze während mich Ettlin versuchte zu ignorieren. „Macht es dir was aus hart zu trainieren?“ fragte sie mich mit einer schlechten englischen Aussprache und einem verblüffend bekannten Akzent, als sie sich kurz die Mühe gab zu mir aufzublicken. „Ehm, nein,“meinte ich. „Also doch,“ sagte sie grimmig und drehte sich wieder ab. Die Musik erklang und alle begannen heftig schnelle Bewegungen mit ihren Beinen zu machen, denen ich nicht mal mit grösster Anstrengung hätte folgen können. „Das erste Mal ist‘s hart, dann weisst du nicht was du machen musst,“ meinte Ettlin als sie abschätzig über mir stand. „Und,“ fügte sie an, „du machst es falsch.“ Ich blickte auf die Uhr, gerade mal fünf Minuten waren vergangen, sollte ich meine Sachen packen und rausrennen? Würde sie mich blossstellen? War ich denn so feige? Eigentlich machte es mir ja nichts aus hart zu trainieren..aber das musste ich mir doch nicht antun oder? Mit ihrem schlechten Akzent und ihrer heisernen Stimme schrie sie irgendwas durch den Raum, das mich korrigieren sollte, ich hatte aber keine Chance sie zu verstehen. Das Training war sehr sehr hart, ihr könnt euch kaum vorstellen was für Stretchübungen wir gemacht haben, kombiniert mit Kraft. Zwischendurch lag sie mal wieder auf die ausgestreckten Beine iher Schüler, so dass diese sich klapmesserartig zusammenlegten, von ihrem Gewicht runtergedrückt. Sie zwang mich sämtliche Übungen nochmals zu machen und bohrte mir dabei ihren Fingerring in den Magen, derart fest, dass ich mich noch lange daran erinnern würde, dass ich meinen Bauch einzuziehen und die Rippen zu schliessen hätte. „Das ist das Ziel.“ Die meiste Zeit sprach sie von sich, von ihrer perfekten Art als Tänzerin und von ihrer Erfindung „Ettlin Floor Technique“. Sie würde sterben, während wir alle immer und immer wieder in jeder Tanzschule diese Technik lernen würden, davon war sie fest überzeugt. Sie stand ober mir, als ich meine Hände zusammen hatte und in der Liegestützepostition harrte. „Schiebe deinen Körper jetzt ganz nach vorne damit du auf den Zehen bist,“ befahlt sie mir. Meine Hände waren also jetzt auf Bauch/Rippen Höhe. In dieser Position sollte ich nun Liegestützen machen, ohne dabei mit dem Bauch den Boden zu berühren. Da ich mich nicht lange halten konnte, ging ich nicht bis ganz nach unten. Mit ihrem Fuss drückte sie mich derart fest runter, dass ich fiel und mir fast das Kinn aufgeschlagen hätte. „Das zeigt mir wie schwach du bist,“ meinte sie und ging nach vorne. Am Ende der Lektion kam sie zu mir rüber. „Du sollstest Ballerina werden, du hättest das Zeugs dazu, ich werde dich trainieren, morgen abend privat,“ meinte sie aber noch immer grimmig und negativ. Völlig verwirrt blickte ich sie an. „Es würde dich 100$ kosten, du musst aber nicht bezahlen, wenn du damit nicht zufrieden bist. Die Leute meinen immer,dass sie mir tausende von Franken dafür bezahlen müssten, für was ich ihnen gebe,“ meinte sie ernsthaft und pfiff einen ihrer Assistenten herbei. Dieser sollte mich davon überzeugen. „Sag ihr wie mein Privattraining ist,“ befahl sie ihm. „Es war wie ein Wunder, unbeschreiblich,“ meinte er. Noch immer blickte ich die beiden ungläubig an und konnte nichts anderes sagen als: „Woher bist du ursprünglich?“ So eine miese Lehrerin hatte ich wirklich noch nie erlebt, viele waren streng aber sie war wirklich fies und so gut sie auch war, sie war definitiv zu fest von sich eingenommen. „Switzerland.“ !!!!!!!!!!! Wow, nicht wirklich oder? Das gibt mir jetzt aber den Rest. „Vielen Dank für das Angebot, aber ich bin leider nicht mehr lange hier,“ antwortete ich und bevor sie mich weiter von ihrer Privatlektion überzeugen konnte, packte meine Sache, bedankte mich nochmals und verliess den Raum, immer noch etwas verwirrt. Larissa will die Lektion aber unbedingt mal ausprobieren, und so werde ich wahrscheinlich nochmals hingehen. :)
Am nächsten morgen ging ich früh mit Larissa ins Training. Danach hatte ich ein Shooting, da die Sprachschule mich gefragt hatte, Bilder für ihren neuen Katalog zu machen. Als sie mich damals gefragt hatten, riss ich Andreas auch gleich mit, da es zu zweit bestimmt lustiger wäre. Dieser sass nervös in der Schule, da ich nicht da war und reimte sich zusammen, was er mir alles antun würde, wenn ich jetzt nicht sofort kommen würde. Er hatte natürlich wieder vergessen, dass ich freitags nicht zur Schule gehe. Wir fuhren mit einem Van, vier anderen Schülern, dem Fotografen und der Marketingfrau umher, Picnickten im Bryant Park, machten ein paar Fotos am Times Square und zur Überraschung fuhren wir mit dem Schiff um die Insel Manhattan. Es war wirklich schön, aber der Wind bliess entgegen aller Erwartungen sehr sehr kalt. Also stand ich da mit kurzen Hosen und den Haaren im Gesicht, die mir der Wind immer wieder zubliess und welche die Assistentin immer wieder versuchte wegzunehmen. Ich versuchte mich ab und zu vom Dauergrinsen zu erholen und mich unter meiner Jacke vom stürmischen Wetter zu schützen. Es war ein schöner Tag aber nach der Bootsfahrt war ich unglaublich erschöpft, wofür ich aber keine Zeit hatte, da ich mit Larissa gleich ins Hip Hop gehen würde. Ich ass kurz was und glaubte fit genug zu sein, das richtige Problem aber, war der unglaubliche Muskelkater von Ettlin‘s Training. Ich konnte weder richtig gehen noch angenehm sitzen, meine Beine schmerzten wie wild. Liegestüzten, Rumpfbegen und nochmals und nochmals und nochmals, sollte es mir nicht gerade erleichtern. Trotzdem: Das Training war der absolute Hammer, die Choreografie war soo toll und ich mag es einfach nur schon weil es so super aussieht wenn unser Hip Hop Lehrer tanzt. Das Training gab mir aber den Rest und so fühlte ich mich danach etwas unsicher auf meinen Beinen. Wir sassen am Boden und dehnten unsere Beine als mein Handy vibrierte. „Hy Anja, it‘s Sarah, kommt ihr jetzt ins Kino?“ ojeh, ich hatte ganz vergessen, dass wir ihr anfangs Woche mal gesagt hatten, ja eventuell könnte es sein, dass...Wir entschieden uns rasch ans Times Square zu fahren um ihr dort zu erklären, dass wir beide völlig am Ende sind. Als wir aber dort ankamen, sahen wir Sarah, die sich auf eine sympathisch herzige Weise rausgeputzt hatte, einen roten Haarreifen trug und uns angrinste. „Es tut uns sehr leid, aber wir sind total müde,“ sagte eine von uns. Das Leuchten in ihren Augen verwandelte sich in eine wässerige Substanz und sie meinte: „Okay, dann lass uns nach Hause gehen.“ „Aber wo sind deine Freundinnen von der Schule mit denen du eigentlich abgemacht hattest?“ „Die wollten nicht warten und sind schon mal gegangen.“ Ich blickte Larissa an, und wusste dass sie genau gleich dachte wie ich. „Also, soo müde bin ich eigentlich auch wieder nicht, lass uns den Film sehen.“ Kurze Zeit später sahen wir die Premiere von Snowwhite. Völlig erschöpfte versuchte ich meine Beine in einer einigermassen angenehmen Position zu halten. Zum Film? Ich werde jetzt keine Kritik anbringen, aber wen‘s interessiert:
Snowwhite - Nja‘s Filmkritik (also doch ;))
Auf dem traditionellen Märchen basierend, findet der Zuschauer immer wieder typische Symbole oder Passagen, wie etwa den Spiegel an der Wand, den roten Apfel, in den Schneewittchen beisst oder die Zwerge. Der Film ist definitiv was für Paare, weder die Frau noch der Mann wird sich dabei langweilen. So erlebt man spannende, technisch und visuell gut gestaltete Kriegs- und Kampfsszenen aber trotzdem bleibt eine gewisse romantische Hoffung erhalten und vorab (ich weiss ihr erwartet nichts anderes) ein Happy End. Obwohl dieses nicht definitiv geklärt wird, was für die Frau etwas enttäuschend ist. Wie gesagt, der Film ist vor allem ein visuelles Highlight, selbst wer keine Furcht mehr vor dem bekannten Märchen emfpindet, wird Schneewittchen‘s Angst im dunklen Wald nachvollziehen können, öfters mal Ekel empfinden und mit der Schönheit, die übrigens sehr gut von Kristen Stewart gespielt wird, bangen und hoffen. Was es definitiv nicht ist: Ein Film für Kinder
Um ungefähr zwei Uhr nachts sass ich dann auf der Bank in unserer Residenz. Ich war schon wieder nicht dazugekommen euch zu schreiben, aber das ist schon okay, ich muss unbedingt schlafen gehen, dachte ich.
| Erschöpft im Kino |



Hey Anja! Hab grad in deinem Blog gestörbert. Ist ja sauspannend, was du da schreibst! Und so gut! Hast wirklich Talent, offenbar nicht nur im Tanzen :-) Ich wünsche Dir noch ganz viel Spass in New York und ich bin ja sooo gespannt, wie's mit Dir weitergeht. Vielleicht kenn' ich ja bald jemand Berühmtes in Hollywood ;-) (a-pro-pos, wird Zeit, dass wir uns mal in persona treffen!) :-)
AntwortenLöschenLiebe Grüsse aus Nairobi,
Evee